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Wir und die Integration von Flüchtlingen

Anfang Mai haben sich Studierende des Sprachseminars der Universität Lübeck an unsere Gemeinde gewandt. Der Aufgabenplan des Bildungsprojekts sah vor, sich mit einem Mitglied einer jüdischen Gemeinde bekannt zu machen, ein Interview zu führen und an einer der Gemeindeveranstaltungen teilzunehmen. Die Studenten bezogen sich auf den beigefügten Projektplan und auf ein Begleitschreiben ihres Projektleiters mit der Bitte an die angesprochenen Organisationen, dieses Projekt zu fördern.

Nach einer kurzen Beratung mit dem Gemeindevorstand nahm ich die Einladung zu dem Interview an und machte mich Anfang Mai auf den Weg zur Universität Lübeck. Dort wurde ich von den Projektteilnehmern, vier junge Männer und ein Mädchen, sehr freundlich und höflich empfangen. Nach einer kurzen Vorstellung begannen wir mit dem Interview.

Wir sprachen über das jüdische Leben in der Hansestadt Lübeck und in der näheren Umgebung und ich schilderte ihnen mein Erleben der Integration der Juden in den letzten 25 Jahren. Danach konnten die jungen Leute viele interessanten Fragen stellen: Wie reagierten die Einheimischen auf das Auftreten von Juden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch der UdSSR? Welche Beziehungen haben Aschkenasim zu Sephardim und orthodoxe Juden zu liberalen Juden? etc.

Nach zwei Stunden sah ich vor mir nicht nur nette und interessierte Menschen, sondern auch Gesprächspartner, die an intensives Lernen gewöhnt waren. Mit Absprache unseres Vorstandes lud ich sie im Rahmen ihres Bildungsprojektes zu unserer Schabbatfeier ein, die am darauffolgenden Freitag stattfinden sollte.

Sie erschienen eine Stunde früher und nahmen sichtlich gespannt am Unterricht in Hebräisch und den Grundlagen der jüdischen Religion teil, den unser Kantor erteilte. Danach führten wir alle zusammen die Schabbat-Riten durch, und das einzige Mädchen in der Studentengruppe las ein Psalmenfragment auf Deutsch. Später, zum Schabbatmal, unterhielten wir uns mit den Studenten über unterschiedliche Themen. Sie berichteten von ihren Erlebnissen, seit sie 2015 aus Syrien gekommen waren und wie sie sich an der Lübecker Universität begegneten.

Beim Abschied dankten sie uns herzlich für die freundliche Aufnahme und für die  Unterstützung bei der Durchführung ihres Projektes (ich habe für sie eine kurze Zusammenfassung von meinem Interview zusammengestellt). Und wir versicherten ihnen, sie auch weiter mit Freude bei unseren Veranstaltungen zu empfangen. Denn es war wirklich eine erfreuliche Bekanntschaft.