Unser erstes gemeinsames Sedermahl

Das erste der drei Wallfahrtsfeste, das Pessachfest, wollten unsere Lübecker Mitglieder und Freunde unbedingt in einem großen Kreis im Mischkan (auch "die Synagoge des Nordens" genannt) in Bad Segeberg  feiern. Und das haben sie am 10. April 2017, am ersten Sederabend, auch in die Tat umgesetzt!

 

Rabbinerschüler Isak Aasvestad führte durch das "Fest der Mazzot" (der ungesäuerten Brote) und erläuterte während des traditionellen Ablaufs die historische und die naturgebundene Bedeutung dieses siebentägigen Festes:

 

Historisch erinnert das Pessachfest an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, als sie nur Ungesäuertes (Mazza) essen konnten, weil es für das Säuern des Brotteigs vor dem plötzlichen Aufbruch keine Zeit gab. Und so entstand die pessachtypische Tradition, Gesäuertes (hebr. Chamez) auf keinem Fall zu essen, ja sogar, es überhaupt verschwinden zu lassen. Deshalb putzen Juden ihr Haus vor Pessach äußerst gründlich.

 

Die beiden ersten Abende des Pessachfestes verlaufen nach einer bestimmten Ordnung, und "Ordnung" heißt auf hebräisch "Seder" - so heißt auch diese abendliche Zeremonie.

 

Auf die Sederteller gehören die vorgeschriebenen Speisen: drei Mazzot, "Erdfrüchte" (hebr. Karpass), ein Gefäß mit Salzwasser (hebr. Chaseret), Bitterkraut (hebr. Maror), Brei aus Äpfeln, Mandeln, Zimt und Wein (hebr. Charosset), ein Lammknochen (hebr. Seroa) und ein gekochtes Ei (hebr. Bejza). Alle diese Lebensmittel symbolisieren die Knechtschaft der Juden in Ägypten: Das Salzwasser erinnert an die vergossenen Tränen, das Bitterkraut an die bitteren Leiden, das braune Fruchtmus an den Lehm, aus dem die Israeliten Ziegel  für Pharaos Bauten herstellen mussten... Und die Mazzot wurden als "Brot der Armut" bezeichnet. Und obwohl diese Zeremonie so stark an die schwierigen Zeiten erinnert, erfüllt sie uns mit Freude, weil sie uns in die Freiheit geführt hat!

 

Der lange und fröhliche Abend schloss mit großem Dank an den künftigen Rabbiner Isak in der Hoffnung, dass er uns bald wieder einmal auf seine freundliche Weise begleiten möge.

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